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IV. Schlußbetrachtungen.
Brigade entgegenstellte. Das verdankte die Division ihrer Führung, dasGelingen des Gegenstoßes aber der außerordentlichen Tapferkeit der Truppe,die von den Augenzeugen auf Deutscher Seite rückhaltlos anerkannt wird.Das Verhalten der Division Cissey stellt sich als ein Beispiel größeren Maß-stabes für eine mit angriffsweisem Verfahren verbundene Verteidigung dar.Es ist bekannt, daß die Französische Infanterie ihre Feuerwirkung vornehmlichdurch den Einsatz ungezielten Massenfeuers auf weiten Entfernungen ausübte;in dem mit bestürzender Schnelligkeit vor sich gehenden Zusammenbruche desin geschlossener Kolonne auftretendcn, aus der 10. und 12. Kompagnie desRegiments Nr. 57 zusammengesetzten Halbbataillons erkennen wir, daß derGegner es auch verstand, gezieltes Feuer auf ein hohes und tiefes Ziel zurichten. Aehnlich erging es an diesem Tage einem Halbbataillon des lil. Armee-korps bei der Kirchhofshöhe von Vionville.
Der Tapferkeit im Vorgehen der Division Cissey hält die Zähigkeit dasGleichgewicht, mit der das Regiment Nr. 16 den Höhenrand nördlich derSchlucht behauptet. Hier schwankt die Wage des Sieges, und wenn sie sichschließlich zu Gunsten des Gegners senkt, so liegt dies an der Ueberlegenheitseiner Kräfte, mit denen die gelichteten Reihen von Frischem gefüllt werden,an der doppelten Umfassung und vor Allem an jenen nicht meßbaren seelischenMächten, die dem Angriffe zu allen Zeiten das Uebergewicht über die Ver-teidigung verschafft haben. Beim Regiment Nr. 57 mochte sich mit derAnnäherung an die Schlucht das instinktive Gefühl geltend machen, daß gegendiese nunmehr deutlicher zu erkennende Ueberlegenheit des Feindes ein Erfolgnicht zu hoffen sei. Wenn hier der Rückzug angetreten wurde, bevor einernstliches Feuergefecht von längerer Dauer stattfand, so mochten darauf ein-mal die bisher eingetretenen, in kurzer Frist zu bedenklicher Höhe anschwellendenVerluste und dann die seelischen Eindrücke wirken, die der Anblick des weitüberlegenen Feindes ausübte, dem die Brigade keinen Mann mehr aus einerReserve entgegenzusetzen hatte.
Aus der niedergeschlagenen Stimmung, die sich der Trümmer der Brigadenach abgewiesenem Angriffe bemächtigt hatte, erklärt es sich, daß namentlichbei dem Regiment Nr. 57 die eigene Leistung im Feuerkampf unterschätztwurde und die Anschauung ziemlich allgemein war, die Truppe sei geschlagengewesen, ehe sie zum Feuern gekommen war. Man rechnete bei dem RegimentNr. 57 nur ein bis zwei verschossene Patronen auf den Manu. Magdiese Zahl für einzelne Theile des Regiments zutreffen, andere haben, wieaus verschiedenen Mittheilungen hervorgeht, erheblich mehr Munition ver-braucht.*) Zweifellos hat das Regiment Nr. 16 sein Feuer in einem Nah-kampfe von der ungefähren Dauer einer Viertelstunde in außerordentlichwirksamer Weise zur Geltung gebracht. Hier sind, wie bereits mitgetheilt,stellenweise mehr als 40 Patronen verschossen worden.
y Vergl. Anhang Nr. 46.