II. Der Angriff des Generals v. Schwartzkoppen.
29
gewordenen Reiterschaaren des Feindes. Es war etwa Uhr. Nunschwärmte aber bei Greysre Ferme eine Kompagnie des Linien-RegimentsNr. 98 aus und schoß mit großer Sicherheit in die Batterie, die durch diesesFeuer in kürzester Frist 3 Mann und 7 Pferde verlor. Sie war im Be-griffe, die feindliche Infanterie zu beschießen, als auch Kavallerie gegen ihrelinke Flanke anritt.
General Ladmirault hatte sich nämlich nach Zurücknahme der DivisionGrenier über die Schlucht wiederum zu seinem ihm bedroht erscheinendenrechten Flügel in die Gegend von Greyäre Ferme begeben. Er beobachtetevon dort, wie sich Preußische Reitermassen von den Höhen zwischen Tronvilleund Puxieux auf Mars la Tour in Bewegung setzten. Gleichzeitig erschienbereits nördlich Mars la Tour die Batterie Planitz in Begleitung der Garde-Dragoner auf dem Kampfplatze. Die Befürchtungen des französischen Generalswegen einer Umfassung seines rechten Flügels schienen sich zu verwirklichen,und er befahl, „die gesammte Kavallerie zusammenzuraffen und sie in Masseattackiren zu lassen, um die bedrohte rechte Flanke zu entlasten." Der Befehlerreichte zuerst die 2. Chasseurs d'Afrique. Sie überschritten in schmaler^Kolonne den Grund und die Chaussee Jarny—Mars la Tour. Dann ließihr Kommandeur links Front machen und in Schwarmattacke auf die Batterieanreiten, doch Rittmeister v. Hindenburg, dem die Gefahr, in der die Batterieschwebte, nicht entgangen war, warf sich mit seiner Eskadron, von der Stelleim Galopp vorgehend, dem dreifach überlegenen Feinde*) entgegen und er-kaufte mit dem eigenen Leben die Rettung der Batterie, die glücklich Marsla Tour erreichte. Die Eskadron wurde im Handgemenge zurückgetragen.Sie hatte gegen den übermächtigen Feind einen schweren Stand, bis ihr dasDragoner-Regiment Nr. 13 zu Hülfe kam. Oberst Graf v. Finckensteinwar, sobald er die Uebcrlegenheit des Feindes erkannt hatte, zurückgejagt, umUnterstützung herbeizuholen, und auf dieses Regiment gestoßen.
Die zwischen Tronville und Puxieux bereitstehenden Theile der Kavallerie-Division Rheinbaben hatten sich nämlich gegen 4U/s Uhr nachmittags**) ausBefehl des Generals v. Voigts-Rhetz, den rechten Flügel des Feindes zuumfassen,***) auf Mars la Tour in Bewegung gesetzt. Das Dragoner-
*) Vergl. Plan 3. Nach dem Gefechtsbericht der 4. Eskadron 2. Garde-Dragoner-Negiments attackirten drei feindliche Eskadrons. Es ist möglich, daß sich diejenige Eskadronder Chasseurs d'Afrique, die während des früheren Geplänkels gegen die Garde-Dragonerdas Wäldchen bei La Grange Ferme besetzt hatte, noch nicht wieder mit dem Regimentvereinigt hatte.
**) Rittmeister v. Kemnitz <5./Dragoner Nr. 13) berichtet: „Die Regiments-Zugkolonnewar im Trabe, als meine Uhr 4s/j zeigte."
***) Vergl. S. >6. Bei Ueberbringung, Weitergabe und Ausführung des schon eineStunde vorher ertheilten Befehles waren Verzögerungen eingetreten. General v. Rhein-baben scheint sich vor Antritt der Bewegung bemüht zu haben, weitere Regimenter seinerDivision heranzuziehsn. So wird in der Geschichte des Husaren-Regiments Nr. 11 be-richtet, daß auch an dieses Regiment die Aufforderung ergangen sei, an der Attacke beiMars la Tour theilzunehmen.