XX. Bernhard I. 1130 — 1153. 4M
Der Graf Hermann (um dessen übrige Schicksale hier zu erzählen)verstärkte im Jahre 1151 seine Macht, indem er das von ihm erbaueteSchloß Schonenberg der Mainzer Kirche übertrug und als Lehn vonihr zurück empfing. Seine Gattin gab ihm Hoffnung ans einen Erbenseiner Macht; da zerstörte eine Gewaltthat, wohl durch frühere Gewalt-thaten Hermanns hcrvorgernfen, alle jene Aussichten, zertrümmerteselbst den schon errichteten Bau. Am 29 . Januar des Jahres 1152ermordeten Dienstleute der Hildesheimischen Kirche und des Grasendiesen mit der Gattin, die neben ihm ruhete, auf der Winzenburg; i)der Burggeist Hödeke eilte auf dem Rennstiege nach Hildesheim, tratvor Bernhards Bett, rief: Plättner (Kahlkopf), stehe auf! die Winzen-burg ist los! und sofort wurde ohne Rücksicht auf Hermanns Töchterdie Winzenburg besetzt, wogegen die auf die Homburg erworbenenRechte nicht zum Besitze dieser Burg verhalfcn, indem dieselbe mitdem übrigen Nachlasse Hermanns an Herzog Heinrich den Löwen kam.Jene blutige That selbst, ihre Veranlassung, ihre Urheber sind nichtvollständig aufzuhellen. Die Sage berichtet: Der Graf sei in doppeltunerlaubter Liebe zu der Gattin eines seiner Dienstmannen entbrannt,habe diesen entfernt und jene gezwungen, ihm zu willfahren. Derzurückgekehrte gekränkte Ehemann sei zur Ermordung seines Dienst-herrn und der Gattin desselben fortgeriffen und dann mit seiner Fraudavon geritten, so daß man von ihm nie wieder etwas vernommenhabe. Ganz so verhält sich die Sache nicht. Der Mörder warenmehre und sie blieben nicht verborgen. Unter ihnen war Graf Heinrichvon Bodenburg, welcher die Schwester des Bischofs Bernhard, oderdie Tochter Oberts, des Bruders desselben, geheirathet hatte, fernerein Ritter Bernhard, vielleicht der Hildesheimische Vicedom. Jenerwurde vor dem Kaiser angekiagt, wollte sich durch ein Gottcsurtheilvon dem Verdachte reinigen, unterlag aber im Zweikampfe und gingin das Kloster Neuwerk zu Halle. Der Ritter Bernhard wurde vonHerzog Heinrich überführt und Anfangs November des Jahres 1156zu Cöln auf Befehl des Kaisers enthauptet. Man sieht, die Ver-brecher gehörten zu den Vornehmeren, und der Verdacht kann sich hochhinauf erstrecken.
Die Hildesheimische Kirche gewann eine in jenen Zeiten fastunbezwingliche Burg und ohne Zweifel auch die bedeutende Grafschaftim Flenithigau, welche sich fast von den Thoren Hildesheims bis südlich
>) JmAllgcm. Kokon, Die Winzenburg. AuchHusti 6ork>. in inonuin. inscl. I.75, woselbst Hermann imxroli, genannt wird.