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Verlegung der Cathedrale von Elze nach Hildesheim.
Verhältnisse zu, die Kirchen an andere Oerter, als an altgeweihete znlegen, oder gar die Weihung und Geweihtheit zu verlegen, wozu manselbst weit später, als jene Oerter nur noch Gerichtsstätten waren, auchbei dringender Veranlassung nur mit einer gewissen Scheu und ungernsich entschloß, was aber damals den Geistlichen ganz unmöglich gewesensein würde. So ist es denn auch von fast jeder Archidiakonat-Kirchedes Hildesheimischen Sprengels nachgewiesen, daß sie auf oder nebeneiner alten Malstatt lag, und gewiß wird man bei Gründung derHauptkirche und des Bischofssitzes nicht jenen durch die Verhältnissegegebenen und überdem gesetzlich ausgesprochenen Grundsatz unbeachtetgelassen haben. Vor und bei Hildesheim lagen denn auch allerdingsdie Malstätten für zwei Gaue, von denen jene sogar einen Oberhofbildete, wodurch wiederum Hildesheims Bedeutung hinlänglich bezeichnetist. Die Ansiedelung auf einem Herrnhofe aber hat den Umstand fürsich, daß in den Westfälischen Bischossstädten solche Höfe, die Bisping-höse, sich noch lange hin erhalten haben.
Erwägt man hiernach die Erzählung des Sächsischen Annalisten,so wird man der Behauptung, daß die Cathedrale in eine wilde Wald-gegend verlegt sei, allen Glauben versagen müssen. Diese Behauptungwurde nothwendig, um das Wunder erzählen zu können, und diesesverdient geschichtlich keine Rücksicht und wird auch dadurch noch un-wahrscheinlicher, daß darin eine Quelle des reinsten Wassers vorkommt,welche jetzt im Bereiche des Domes nicht sprudelt und nach der Lage derOerter auch wohl nie gesprudelt haben kann. Der Boden ist freilich be-deutend erhöhet; das in dem dort befindlichen Brunnen befindliche Wassersteht aber wohl noch beträchtlich unter der alten Oberfläche. Auch dasAufhängen der Reliquien (die damals eben so wohl, wie am folgendenTage, auf den Altar gehörten), an einen Baum ist seltsam, das Ver-gessen fast unglaublich. Dennoch dürfen wir aus diesem Grunde nichtdie ganze Erzählung verwerfen, müssen vielmehr entweder absichtlicheTäuschung, vielleicht selbst des Kaisers, oder eine spätere so häufigeund so beliebte Ausschmückung mit einer Wundercrscheinung annehmen, i)Der Erzähler hatte keine Veranlassung, die Verlegung des Stiftes vonElze nach Hildesheim zu erdichten, und es ist daher wahrscheinlich, daß
1) Zn der Hildesheimischen Geschichte bieten einen ganz ähnlichen Fall dar diebeiden Lebensbeschreibungen Godehards. Die erste gleichzeitige, voll warmer Ver-ehrung für Godehard, deutet auch nicht im Entferntesten aus etwas Wunderbaresin seinem Leben hin; die zweite, nicht um hundert Jahr spätere, hat Träume undWunder.