410 Quellen und Bearbeitungen der Hildcsbeinüschen Geschichte.
fester dieser Anmerkungen sei, läßt sich nicht Wohl ermitteln. Oft scheint es Haren-berg selbst zu sein, dann wieder ein Beamter des Stiftes; immer ist cs aberJemand, welcher die Rechte des Hauses Braunschweig dem Stifte gegenüber miteiniger Heftigkeit vertritt und in diesem Bestreben die Aechtheit möglichst vielerUrkunden angreift. Mit wie scharfer Kritik auch der Verfasser der Anmerkungendas Werk durchgeht, so ist doch auch hier das Ergcbniß nur: Aufnahme von Urkun-den und Nachrichten ohne Prüfung, nicht aber Täuschung der Leser wider besseresWissen des Verfassers.
Ich habe alle Bemerkungen, welche Verdächtigkeit oder Unächthcit von Urkundenbehaupten, genau ausgezogcn. >) Keine derselben klagt Harenberg einer Fälschungan; alle Urkunden, die er mittheilt, sind vorhanden; auch Einschiebsel, Veränderun-gen werden ihm nicht Schuld gegeben. Der ganze Vorwurf beschränkt sich ans einunkritisches Verfahren, welches auch sonst gewiß genug ist. Manche Urkunden werdensogar offenbar mit Unrecht angegriffen. Aus dieser Prüfung geht also HarenbergsWahrhaftigkeit ohne Flecken hervor.
Einen andern Angriff hatte Harenberg von Seiten des geistlichen Ministern zuHildcsheim zu bestehen. Dieses, besonders aber der Superintendent Reinmann, warüber die bezüglich auf sie Seite 1667 — Seite 736 kommt noch inäicinin aeutissirniRsinmanni vor — vorkommenden Acußerungcn auf das Höchste entrüstet. Sie brachte»ihre Beschwerden schon am 16. September 1734 bei dem Consistorio zu Wolfenbüttelvor und stellten anheim, ob dasselbe diese Unbilligkeit an diesem Manne ahnden unddenselben dazu anhaltcn wolle, in einer öffentlich gedruckten Schrift sich besser zuerklären, diese uncrweislichcn Beschuldigungen zu widerrufen und den besudelte»Bogen znrückzunehmcn und Umdrucken zu lassen. Es stehe Manches darauf, was erzu revociren genöthigt sein werde, so daß er diesen seinen Unrath gar leichtlich mitauf eine Schaufel fasse» und aus dem unartigen Gebäude werde hinauswcrfcn können.Diese Klage wurde gedruckt überreicht. Harenberg, welcher inzwischen vom Rektoratezu Gandersheim auf die Pfarre zur Clus gerückt war, ließ auch seine Erceptionendrucken, da er sich nicht als einen heterodoren und verunglimpften Mann in einergedruckten Schmähschrift umhcrtragcn und durch ganz Deutschland verachten lassen könne,ohne dagegen die nöthigc Rettung und Anstalt vorzukehrcn. Jedoch wollte er seineVertheidignng nur gegen den Superintendenten Reinmann gerichtet wissen, und erbotsich, seine Ausfälle zu unterdrücken, wenn auch sein Gegner die über seine, Haren-bergs, Person und Schriften gefälleten herben und unartigen Urtheile znrücknehmeund die präjndicirlichen Stellen Umdrucken lasse. — Rcinmann wandte sich an dieAebtissin von Gandersheim, und bat, ihm als einem 76jährigen Greise und einemder ältesten evangelischen Theologen eclatante Satisfaction zu verschaffen, zumal ervor den Augen der spottenden Papisten verspottet wäre. Die Aebtissin lehnte ab,sich nun noch der Sache anzunchmen. Das Consistorium setzte Tagcfahrt znm Ver-suche der Güte an und darin wird die Sache wohl beigelegt sein.
i) sDie Mittheilnng derselben ist unterblieben, weil sie zu viel Raum einneh-me» würden.s