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3 (1783)
Seite
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7o6 Rlagelicder Jeremias.

Gewiß, wer die Kunst verstehe dem Dich-ter in seinen Fiktionen und in seiner Phantasiezu folgen; die leblose Natur zu beselen, sie re-den, handeln, empfinden, trauern, weinen zulasten, der wird bei den angenommenen Ge-sichtspunkten in der Erklärung nirgends voneinzelnen AuSdrüken gehindert werden.

§. 6zz.

Innere Vekonomie dieser Lieder.

Mit Empfindungen über das Unglük desJüdischen Staks unter Nebukadnezar fängtdas Buch an, und mit ihnen verhallt es auch.Nun lassen sich bekanntlich Empfindungen nichtin künstliche Dispositionen bringen; es mußdaher niemand ZeremiaS Elegien skcletircn wol-len. Er gehorcht überall den Winken seinesHerzens; nur verfolgt seine Phantasie jedes-mal den Gegenstand des Leidens am meisten,nach welchem sein Herz damals die stärksteRichtung genommen hatte, als er das Saiten-spiel ergriff. So beweint der erste Traucrgesanghauptsächlich die ToLtenstille um Jerusalem,und der zweite die Verwüstung der Stadt unddes Tempels. Dabei stießen aber überall Em-pfindungen über verwandte Gegenstände undverwandteUnglüküfaile in dieHauptcmpfindun-gen ein, und geben den Bildern und Vorstel-lungen eine angenehme Mischung und Manch-

faltig-