Rlagelieder Jeremias. 727
faltigkeit. Eine von den Wunden, die demHerzen des Patrioten geschlagen sind, blutetnach der andern, so wie sie von einem nah^noder fernen Gegenstand berühret wird.
Der Ton der Lieder ist sanft, rührend, undsür iedes Herz von Gefühl hinreisend; die Spra-che ist edel, aber nicht erhaben; der Styl istnicht durch den Gebrauch seltener oder fremderWörter feierlich gemacht, sondern simpel —der Dichter wollte nicht auffallen, sondern rüh-ren. Die Bilder sind weder erhaben, nochniedrig, sondern von mittler Art, sanft eindrin-gend, aber nicht aufprallend, und aus einerunerschöpflichen Phantasie geflossen. So oftauch dieselben Seenen gezeichnet werden, sowiederhohlt sich der Dichter doch nirgends; erist immer manchfalkig, und ein schon gebrauch-tes Bild wird immer durch eine neue Wendungneu. Die Fiktionen endlich sind leicht, narür-sich, und voll des liefesten EindrukS. Jeru-salem, die Mutter des Landes, siht einsam undverlassen da, Thronen rollen über ihre Wan-gen, sie ringt die Hände zu Gott über die treu-losen Freunde, die sie im Unglük verlassen ha-ben, und fleht den Wanderer um Mitleid anu. s. w.
Das Ganze besteht aus fünf verschiedenenTrauergefangen, die wohl nach und nach zuverschiedenen Zeiten gesungen sind, wenn derSchmerz in das fühlende Herz des DichtersPy 2 aufs