Rlagelieder Jeremias. 70z
wie wahr und treffend sind alle einzelne Situa-tionen gezeichnet, wenn wir sie in der Geschichte, der Einnahme und Zcrstöhrung Jerusalems! und des Tempels durch die Chaldäer zu sucheni haben! Zug für Zug lassen sie sich mit derGeschichte vergleichen.
Ueberdieä — Elegien auf einen gefalleneni großen König, und darum tiefes Stillschwei-^ gen vom Könige selbst; von seiner musterhaftenRegierung, seinen trefflichen Anstalten, seinerWiederherstellung des Mosaischen Gottesdien-- stes —^ wie sonderbar! Und doch mußte er derHeld des Dichters werden, wenn die traurigenFolgen seines unglüklichen Todes beweint wer-den sollten! — Hingegen, nach den, genomme-i nen Gesichtspunkt, ist der Gegenstand der Lie«1 der, nicht der König, sondern Tempel, undEtadt, und Bürger, ihr kläglicher Tod durchHunger und Schwerd, und das traurige Schik-sal der Uebergebliebenen, fern von dem Liebsten,Wertesten, das sie hatten') ihrem Vaterlandund seinem Schutzgotte,.^zu leben. Und wierührend ist ienen ihr Grabelied, und diesen ihrAbschiedslied besungen! Vom König selbstwar nichts Rühmliches zu sagen; als guterBürger, der die Ehrfurcht gegen seinen Monar-chen auch dann nicht vergißt, wenn er selbstunglüklich undUrsache des allgemeinen Unglüksist, läßt er den Vorhang über seine Thatenhängen, und gedenkt seiner so gut wie gar nicht.