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Hohes Lied.

Tage, i.is mehr glanzen. In der unerschöpfli-chen Natur ist alles einzig und einzeln, und soin der Natur aller Naturen, der Liebe. JedesBild, jedes Blatt, jedes Lieochen schwimmtin seinem eignen' Duft, hat seine einzelne Süs-sigleit und Wonne, oder es hat gar keine. —Abdrücken der Liebe kan man also auchkein größer Unrecht thun, als wenn man ihnendas Individuelle ihrer Gegenwart raubt, sie zueinem locus communis hinüberschleppt, odergar in eine willkührliche Hypothese dichtet. EinMensch, der alle zerstreute einzelne Stundender Freude, des Glüks, der Liebe in EineSpeise mischen, alle Küsse und Seufzer aufEine Schnur heften, und die verschiedenstenDüfte und Blumen in Einen Sak thun wollte:was würde er anders, als ein faules Allerleizuwege bringen? Nähme erö sich nun »ochin den Sinn, aus diesen Früchten und Blü-then lebendiger Liebe ein schönes Ganze zu ma-chen, das er zur Schau tragt; wie würde sichjeder einzelne Baum, iede abgerissene, nun ver-welkte Blüthe beklagen!

6. Und doch wirkt die Einbildungskraft derMenschen gern auf so etwas. Sie, die keineMauer, kein altes zerfressenes Holz, keineWolke am Himmel, Fensterscheibe und Mar.morstük ansehen kan, ohne daß sie sicheine Welt, ein Ganzes, ein Eins denke; wiewird sie einzelne Verse, Bilder, Sprüche,

Frag.