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Hohes Lied.
singen: so wählte und erfand sich zu ieder Zeitund unter jedem Volke das kürzeste Gedichtimmer die Liebe. Sonnet, Bild, Liedchen,Zuschrift, Ode, Madrigal, Idylle, Ekloge;es heiße, wie eö wolle, istö Seufzer der Liebe,so ist er nur Hauch, nur Seufzer.
4. Nichts in der Welt fordert also auch soinnige ganze Gegenwart, als Liebe, und dieseihre kurze Abdrüke und Spuren. Sie ist, wieauch dies Buch sagt, Flamme des Herrn, Blitz-strahl, Funke: ist sie nicht da, du kaust sie dirnicht geben —-
und böt ein Mann auch Hauß und Gut um
Liebe
verschmäht, verachtet ihn! —
Ist sie auch in ihrem Siegel und Abdruk nichtda, erkennst du sie nicht darinn, noch kaust sieim ersten elektrischen Strahle fühlen; du magstzu vielem andern gut seyn, nur weder zumLiebling noch zum Ausleger der Liebe. Hierist alles Augenblik, glükliche Schaferstunde.Genießest du ietzt nicht; diese Stunde, diesBild, diese Freude kommt nie wieder. Siehediese Mondnacht, voll Nachtigallengesang undAbendroth, und Frühlings- und Zaubcrdüste;Alles fließt zusammen. Alles wird Ein Ton,Ein Seufzer. Wie sie Letzt singt, die Nachti-gall > wird sie nie wieder singen; wie ietzt dasAbendroth glanzt, wird es, bis zum lezten der