XVI
Vorwort.
Ob Lambert immer historische Treue beobachte? Diese Aufgabewerden wir nicht leichter und befriedigender lösen, als wennwir kürzlich darthnn, daß er die Wahrheit habe sagen könnenund, daß er sie habe sagen wollen. Es hängt hierbei Allesdavon ab, ob dasjenige, was er von den natürlichen Fähig-keiten, Sitten und Thaten des Königs Heinrich IV., den un-ter seiner Regierung entstandenen Unruhen und ihren traurigen !Folgen für Deutschland erzählt, wahr sei? Bei so großenBewegungen, wodurch die Gemüthcr in unaufhörlichem Wech-sel umhergetrieben wurden, mußten auch die Geschichtsschreibersehnlich wünschen, ihre Leser für die Meinung über Staats- ^angelegenheiten, welche sie selbst hegten, zu gewinnen. Aberbei dem unsrigen, der während dieser Stürme soviel gesundenSinn und Seelenruhe behielt, daß er das Wahre von demFalschen genau zu unterscheiden verstand, ist so etwas nichtzu fürchten. Der Vorsteher des Hersfelder Klosters war, alsbeständiger Theilnehmcr an den öffentlichen Berathungen, mitdem, was auf beiden Seiten, sowohl des Königs, als der ^Sachsen und Thüringer, sich zutrug, genau bekannt und auchso glücklich, als Mittelsperson zwischen jenem Fürsten unddiesen Völkern, dem ersten wegen ihm stets bewahrter Treuelieb und angenehm zu sein und den letzten durch seine vorzüg-liche Rednergabe und andere cmpfehlenswerthe Eigenschaftendes Geistes und Herzens großen Einfluß zu genießen, so daßLambert, den er als thätigen und erfahrenen Mann wohlöfters bei Sendungen und Unterhandlungen als Begleiter sichzugesellt haben wird, dasjenige, was er über diese Begeben-heiten der Nachwelt überliefern wollte, vielmehr aus einerklaren und lauteren, als unreinen und trüben Quelle schöpfen