Vorwort.
IX
jene Lebensweise, welcher man eine gewisse Heiligkeit zuschrei-ben zu können wähnte, ganz und gar nicht billigte. Er ur-thcilte, daß diese Mönche sich für menschliche Kräfte zu großeLast anfgebürdet hätten, und wenn sie an ihrem Vorsatze fest-haltcn und sich der väterlichen Tugend befleißigen wollten, vonder durch Benedict empfangenen Lcbcnsrcgcl nicht abzugehenbrauchten.'
Weit entfernt, sich durch solche Vorrichtungen und dasGctinümel des in der Nähe von Hcrsfeld wüthenden Kriegsin den gewohnten gelehrten Beschäftigungen stören und unter-brechen zu lassen, widmete er vielmehr die ihm übrig bleiben-den Mußestunden schriftlichen Arbeiten.
Die damaligen so wichtigen Vorfälle im deutschen Reicheund besonders in Sachsen und Thüringen lieferten ihm dazuhinlänglichen Stoff, und er entschloß sich, seinen Fähigkeitenmitztranend, erst nach einigem Widerstreben zu ihrer Aufzeich-nung für die Nachwelt, und betrat diese Laufbahn, wie diemeisten Schriftsteller des Mittelalters, mit einem Gedicht inheroischem Versmaße, dessen Verlust wir, ohngeachtet der darinentdeckten und von dem Verfasser eingcstandencn Mängel be-dauern. Er versuchte nun 2) die Geschichte des Hers-feldischen Klosters zu schreiben. Damals stritt dieses mitden Bischöfen von Halbcrstadt und Mainz um den Zehnten.Der König Heinrich IV. besuchte es oft, lagerte mit dem Heerein seinen Umgebungen und traf hier mit den sächsischen Für-sten bald feindlich, bald um Frieden zu schließen, zusammen,die Königin Bertha gebar 1074 in dem Kloster selbst einen
I) S. 11t. — 2) S. ?roIc>F in iikeliuin Ne inotitntions eccleeiLSNsrskelä. in Nonurn. Osrinsn. bist. 88. 1. V. p. 137, 40.