VIII
Vorwort.
Sorge für sein Vermögen entschlagen hatte, sogleich nach Je-rusalem, wohin schon damals eine große Menschcnzahl ausDeutschland, um der Andacht willen sich zu begeben Pflegte.'Auf dieser Wallfahrt, die er ohne Wissen und GenehmigungMeginhcrs begonnen hatte, wurde sein edles und empfindsamesHerz von keinem Gedanken heftiger beunruhigt, als daß erfürchtete, die Zuneigung des Abtes durch diesen übereiltenSchritt cingcbüßt und sich dessen Zorn zugezogen und, wennjener vor seiner Zurückknnft und mit ihm nnausgesöhnt ver-schieden wäre, sich eines schweren Verbrechens bei Gott schul-wss.dig gemacht zu haben. Das Wcihnachtsfest feierte er zuMarouwa an der Grenze von Ungarn und Bulgarien undwurde bei seiner Heimkehr von .dem Abte mit Freude undi7SeP. offenen Armen empfangen? Auf Meginher folgte Ruthard,ein mit den biblischen Büchern ans das innigste vertrauter undso fertiger Redner, daß niemand das Wort Gottes gehaltreicher,scharfsinniger, schöner vortrng, der jedoch in Beobachtung derheiligen Regel etwas lässiger war, als Sitten und Zeiten er-forderten? Dieser beauftragte unfern Lambert, 1071, die kurzvorher von dem Erzbischof Anno zu Köln, dessen eifriges Be-mühen auf Wiederherstellung der klösterlichen Zucht zu ihrervorigen Strenge gerichtet war, gegründeten Klöster in Sigc-berg und Saalfeld zu besuchen, um die neue hier eingeführteOrdnung des Mönchslebcns kennen zu lernen und den Seini-gcn darüber zu berichten. Lambert entledigte sich dieser Sen-dung so, wie cs einem einsichtsvollen Manne ziemt, der nichtblindlings bewundert, was das gemeine Volk anzustauncn pflegt,und das Nene nicht wegen der Neuheit verachtet, aber doch1) S. 47. — 2) S. 48. — 3) S. 183.