Der IX. Abschnitt. z6r
Art von jedem Gegenstände, gegen welchen man disvordere Seite des Auges stellet.
146. §.
Mit der Entstehung des Bildes km Auge aufder Netzhaut ist zugleich die Empfindung verbunden,daß wir den Gegenstand sehen, womit das Bild zu-Wammen gehört. Wenn das Bild deutlich ist, so»st auch unsre Empfindung deutlich, wiedrigenfallS.aber undeutlich, wiewohl die vollkommenste Deut-lichkeit des Bildes zum deutlichen Sehen eben nichterfodert wird. Weiter können wir den Zusammen-hang dessen, was in unsern Sinngliedern vorgehet,mit den Vorstellungen in unsrer Seele nicht erklären,und eben darum hat es auch mit der anscheinendenSchwierigkeit nichts auf sich, wenn man fragt: wiees zugehe, daß wir die Sachen ausgerichtet sehen,deren Bild in umgekehrter Stellung auf die Netz-haut fallt? Eben so wenig Grund hat die anschei-nende Schwierigkeit, daß wir jede Sache mitzwey-en Augen nur einfach sehen. Wenn der Blindge-bohrne, dessen Geschichte im 41. §. der Optik kurzerzählt ist, nachdem er vom Staar war befreyetworden, von keiner Sache die Gestalt gekannt, undkeine Sache von der andern bey noch so verschiede-ner Gestalt und Grösse unterschieden hat; so hat eranfangs auch nicht gewußt was oben oder unten,zur Rechten oder zur Linken befindlich sey, bis erdurch öftere Vergleichung der Empfindungen desGefühls mit den Empfindungen des Gesichts sichdazu gewöhnt hatte, Gestalt, Grösse und Lage derDinge gegen einander zu unterscheiden. Hiebey war«ö wohl sehr gleichgültig, ob das Bild in seinem Au-Z 5 L-