Druckschrift 
4 : 2, Der Felzug von 1807. - 1851 (1855)
Entstehung
Seite
602
Einzelbild herunterladen
 

deutendem Verlust für beide Theile, da man sich mit großer Er-bitterung geschlagen hatte. Der Wolfsberg und das Terrain da-hinter waren mit Todten und Schwerverwundeten bedeckt. DerVerlust der Garnison betrug gegen 250 Mann an Todten, Ver-wundeten und Gefangenen; außer den genannten Offizieren warnoch der Lieutenant Grävenitz von den Grenadieren verwundetworden. Der Verlust des Feindes war sehr viel bedeutender;10 Offiziere, darunter ein Stabsoffizier vom 1. italienischen Re-giment, lagen todt auf dem Wolfsberge. Auf 57 Wagen schaffteder Feind seine transportablen Verwundeten nach den Lazarethenin den umliegenden Orten').

Die Vorposten nahmen nach dem Gefecht wieder ihre alteStellung ein.

War es wirklich die Absicht des Feindes, nicht nur die Ar-beiten auf dem Wolfsberge zu zerstören, sondern sich auch daselbstfestzusetzen, so war dies offenbar ein unreifes Unternehmen gegen

1) Der junge Unteroffizier Post, Sohn des Artillerie-Lieut. Post inKolberg, kommandirte das Geschütz im Pnlverschuppen Nr. 4. Als der Feinddaselbst zurückgewiesen war, verließ re. Post den Schuppen, stürmte mit denGrenadieren die Schanze, und nahm sich sogleich der Bedienung des 6Pfün-ders an, bei dem der kommandirende Unteroffizier geblieben war. Bei diesemGeschütz verblieb er nun auch und schlug jede Ablösung ab.

Ein Bombardier entlief in der Nacht aus der Stadt, mischte sich unterdie Kämpfenden, nahm das Gewehr eines Getödteten, erlegte zwei Feindeund kehrte mit einem eroberten Gewehr und Tasche zurück. Ein andererKanonier lief als Kranker aus dem Lazareth und trug seinen KameradenKartouschen heraus.

Der Unteroffizier Steffenhagen des pommerschen Reserve-Bataillons, wargegen Morgen dergestalt am Kopfe verwundet worden, daß die Kugel fest imHirnschädel saß und er besinnungslos zurückgebracht werden mußte. Als derChirurgus die Kugel herausgenommen und Steffenhagen wieder zu sich ge-kommen, das Bataillon aber noch im Gefecht war, ergriff er sein Gewehrund eilte, ohne ein Wort zu sagen, wieder ins Feuer. Eine zweite Kugelließ ihn den Tod für seinen König finden.

Die Musketiere des 3. Bataillons von Borcke beschwerten sich bei demMajor Gneisenau, daß er sie noch nicht vor das Thor geschickt habe, und sieihren Kameraden nachstehen müßten.