Druckschrift 
2 : 1, Der Feldzug von 1806. - 1850 (1855)
Entstehung
Seite
143
Einzelbild herunterladen
 

Als der Hauptmaim Liebhaber um 10 Uhr Abends zumGeneral Schimmelpfeunig nach Guteu-Germendorf kam, fand erdenselben völlig unwissend über den Stand seines Detaschementsund in den Truppen eine sichtbare Scheu vor einem Zusammen-treffen mit dem Feinde, in den Offizieren wenigstens in denendeS Schimmelpfennigschen Husaren-Regmts. den Wunsch soschnell als möglich Stettin zu erreichen, um in Sicherheit zu sein.Erst in der Nacht konnte der Befehl ausgefertigt werden, daßdiejenigen Truppen, welche zunächst von Zehdenick standen dieReste von 2 Füsilier-Bataillonen unter dem Obersten Schülerv. Senden, Schimmelpfennig-Husaren und Königin-Dragoneram 26. um 9 Uhr Morgens daselbst die Havel überschreitensollten, um auf Joachimsthal zu marschiren und die Uebergängeüber den Finow-Kanal von Kupfer-Hammer nahe oberhalb Neu-stadt-Eberswalde bis zur Oder zu besetzen; daß ferner diejenigenTruppen, welche näher an Liebenwalde standen das Hnsaren-Regmt. von Württemberg, daS 2. Bataill. Köhler-Husaren, diebeiden Jäger-Kompagnien und die Reste der oberschlesischen Füsi-liere unter dem Major Lojewski sich um 8 Uhr Morgens beiLiebenwalde versammeln sollten, um von dort aus die sämmtlichenUebergänge über den Finow-Kanal und den Fluß von Kupfer-hammer oberhalb Neustadt bis zur Havel zu zerstören, zn besetzenund aufs äußerste zu verthcidigen. Die Nachtquartiere solltenden Truppen auf den Rendezvous angewiesen werden.

Um Mitternacht wurde dem General Schimmelpfenuig vomPrediger in Guteu-Germendorf mitgetheilt, daß der Feind in Lie-benberg den Posten des Majors Lojewski gesprengt habe. Einevorgesandte Patrouille unter dem Lieutenant Schalter», die gegenTagesanbruch deS 26. zurückkam, meldete, daß der genannteMajor nur von Oranienburg aus allarmirt worden sei, so daßdas Gerücht wohl Liebenberg mit Teschendorf verwechselt hatte.Es ist höchst auffallend, daß der Hauptmaim Liebhaber, der schonam Abend von dieser Allarmirung Keuntniß erhalten hatte, garkein Gewicht darauf legte, da man daraus doch mit Sicherheitschließen mußte, daß der Feind sich im Besitz der Brücken beiOranienburg befinde.