Weimar, den 16. Oktober Morgens 10 Uhr.„Ener Königlichen Majestät melde ganz unterthänigst, daßich in diesem Augenblick eine mündliche Unterredung mit demKaiser gehabt, deren Resultat nicht günstig für die WünscheEuer Majestät ausgefallen ist. Der Kaiser will Friedenmachen, wenn E. M. Sich erklärt haben werden, welcheAufopferungen Allerhöchstdiesclben zu machen gesonnen sind,damit dieselben als Grundlage und Sicherheit des Friedensdienen können. Auf meinen Vorschlag, einen Waffenstillstandzu bestimmen, bis der Bevollmächtigte E. M. hier ins Haupt-quartier kommen konnte, fand ich kein Gehör; im Gegentheilerhielt ich zur Antwort, daß die erfochtenen Vortheile zu großwären, um sie nicht bis nach Dresden und Berlin zu ver-folgen. Der Kaiser setzte hinzu: daß er seinen Marsch nichtaufhalten und seine Maßregeln so treffen würde, früher auder Elbe als die preußischen Truppen zu sein; wenn ihmdies daher gelinge, so hoffe er dem Kriege früher in Berlinals in Weimar ein Ende zu machen. — Unter den Auf-opferungen, welche der Kaiser so ganz oberflächlich berührte,schien ihm Hameln als Grundlage der Unterhandlungen zuunbedeutend zu sein. Ich überlasse es ganz E- K. M."
Dönhof.
Das Hauptbestreben Napoleons ging fürs Erste dahin, denKurfürsten von Sachsen von der Verbindung mit Preußen abzu-ziehen. Schon bei Beginn der Feindseligkeiten hatte er Proklama-tionen an die Sachsen verbreiten lassen, um die Gemüther dersel-ben zu bearbeiten. Nun ließ er in Weimar die sämmtlichcn beiJena gefangenen sächsischen Offiziere versammeln und sagte ihnen:„Ich habe nur die Waffen ergriffen, um die Unabhängigkeit Sach-sens zu sichern und zu verhindern, daß Ihr Vaterland nicht Preu-ßen einverlcibt werde. Meine Absicht ist, Sie in Ihre Heimathzurückzuschicken, wenn Sie mir Ihr Ehrenwort geben, nicht gegenFrankreich zu dienen. Ihr Fürst, dessen Eigenschaften ich wohlkenne, hat eine große Schwäche bewiesen, daß er den Drohungender Preußen nachgegeben und ihnen den Eintritt in seine Staaten