was fie für Lafter nach fich ziehen, wenn fie über-trieben find, und was fiir Tugenden entspringen,wenn fie in den gehörigen Schranken bleiben. Einübertriebener Stolz oder eine zu übermüthige Mei-nung von fich felbft wird jederzeit für fehlerhaft ge-halten, und wird allgemein gehafst; fo wie Befchei-denheit, oder ein gehöriges Gefühl unfrer Schwächefür tugendhaft geachtet wird , und das Wohlwolleneines jeden nach fich zieht. Diefes gehört unterden vier Quellen der moralifchen Unterfcheidungender dritten zu, nemlich der unmittelbaren An-nehmlichkeit oder Unannehmlichkeit, welche An-dre bei einer Eigenfchaft empfinden, ohne dafs fieweiter über eine Beziehung diefer Eigenfchaft re-flektiren.
Um diefes zu beweifen, miiffen wir zweierPrincipien gedenken, die fehr fichtbar indermenfch-lichen Natur find. Das erfte davon ift die Sym-pathie und die Mittheilung derEmpiindungen undLeidenfchaften, welche fchon oben erwähnt ift.Die Harmonie der menfchlichen Seelen ift fo engund innig, dafs mich ein Menfch, fobald er fichmir nähert, mit allen feinen Meinungen erfüllt, undmeinUrtheil mehr oder weniger auf feineSeite zieht.Und obgleich meine Sympathie mit ihm, bei vielenGelegenheiten nicht fo ftark ift, dafs dadurch mei-ne Gefinnungen und meine Art zu denken ganz undgar geändert wird; fo ift fie doch feiten fo Schwach,dafs fie nicht den noch unbefeftigten und leichtenGang meiner Gedanken ftören und derjenigen Mei-
nung