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Von Tugend und Lafter überhaupt. 25
fo würde ich erwiedern, dafs diefes imCirkel bewei-fen heifst. Denn ehe die Vernunft diefe tnoralifcheHäfslichkeit wahrnehmen kann, mufs fie doch erftda fevn; und folglich ift fie von den Entfclieidungenunfrer Vernunft ganz unabhängig, und ift weit mehrihr Objekt, als ihre Wirkung. Nach diefem Syftemmüfste jedes Thier, das Sinn, Begierden und Wil-len hat, d. h. jedes Thier aller Tugenden und Lafterfähig fevn, um derentwillen wir die Menfchen desLobes oder Tadels würdig achten. Der ganze U11-terfchied ift, dafs untre höhere Vernunft dienenkann, das Lafter oder die Tugend zu entdecken,und dafs fie alfo hierdurch das Lob oder den Tadelvermehrt: Aber dennoch fetzt diefe Entdeckung einabgefondertes Wefen in diefen moralifchen Unter-fclieidungen zum Voraus, und zwar ein Wefen, wel-ches blos von 1 dem Willen und den Begierden ab-hängt, und welches fowohl in der Vorftellung als inder Realität von der Vernunft ganz unterfchieden ift.Thiere find unter einander eben der Verhältniffe fä-hig, als Menfchen, und es müfste ihnen alfo eben die-felbe Moralität zukommen, wenn das Wefen derMoralität in diefen Verhältniffen beftünde. DerMangel des gehörigen Grades der Vernunft in ihnenkönnte fie zwar hindern, ihre moralifchen Pflichtenund Verbindlichkeiten wahrzunehmen; weil fiedoch eher exiftiren miiffen, ehe ihre Wirklich-keit wahrgenommen werden kann. Die Vernunftkann fie zwar finden, aber fie niemals hervorbrin-gen. Diefes Argument verdient die genauefte
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