jjs Ueber die menfchliche Natur.
eine vollkommne Gewifsheit erlangen könnte. AlleDinge in der Welt erfcheinen an fich betrachtet, alsgänzlich ifolirt und unabhängig von einander. Wirlernen ihren Einflufs und ihre Verknüpfung blosdurch Erfahrung kennen; und diefen Einflufs dürfenwir nie über dieGrenzen der Erfahrung ausdehnen.
Bei fo bewandtenUmftänden wirdes unmöglichfeyn, die erfte Bedingung, die zu dem Syftemeerfodert wird, das einen ewigen rationellen Maafs-ftab des Rechts und Unrechts annimmt, zu erfüllen;weil es unmöglich ift, folche Verhältniffe aufzuwei-fen, worauf ein folcher Unterfchied gegründet wer-den könnte: Und die zweite Bedingung zu erfül-len, ift eben fo unmöglich, weil man nicht a prio-ri beweifen kann, dafs jene Verhältniffe, wenn fieauch reell exiftirten und wahrgenommen würden,auch allgemein nöthigend und verbindend feynmüfsten.
Doch, um diefen allgemeinen Betrachtungennoch mehr Licht und Ueberzeugung zu verfchaffen,fo wollen wir fie durch einige einzelne Beifpiele er-läutern, in welchen der Charakter des moralifcheit*Guten oder Böfen allgemein anerkannt wird. Unterallen Verbrechen, welche menfchliche Gefchöpfe zubegehen im Stande find, ift die Undankbarkeit dasabfcheulichfte und unnatürlichfte, befonders wennes gegen Eltern verübt wird in den dringendften Fäl-len, wo es Wunden oder Tod betrifft. Diefes wirdallgemein, fowohl von den Philofophen, als dem ge-meinen Manne, zugeftanden; unter den Philofophen
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