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Gottesfürchtige und erbauende Briefe über verschiedene Gegenstände, die das innere Leben oder die fortwährende Ausübung des Christenthums betreffen
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Du wirst, lieber Bruder, besser wie ich aus Erfah-rung wissen, daß dieses göttliche Ziel durch die eifrigsteArbeit unsrerseits nicht erreicht, sondern wohl entferntwerden kann. Es muß mehr durch Verlieren als Suchenerlangt, und mehr durch Loslassen als Festhalten ergriffenwerden; ja es muß uns mehr anziehen, als wir dahinstreben, wenn wir diesen Schatz nicht verlieren wollen;denn es ist ganz allein bloße Gnade, wenn Gott oderGöttliches sich in uns offenbart, und es ist auch nichtdas mindeste Verdienst der Creatur dabei. O Herr,wie gut ist das!

Es muß also, Geliebter, Deine und meine Pflichtsein, durch die Gnade alles Eigene stillstehcn zu lassen,auf daß Gott und das Göttliche täglich reiner und kräf-tiger in unserm Innern werde und wirke; obgleich nichtsmühsamer für die Seele ist, als dieses Stillhalten, we-nigstens so lange sie noch nicht durch die Gegenwart desHerrn in ihrem Grunde still gehalten wird. So laß unsdenn wie unschuldige Kinder in Ihm bleiben, denn erläßt es uns ja doch fühlen, daß wir ohne ihn nichts alsSchwachheit und Elend sind. Ja, selbst das innige Ver-langen nach der vollkommenen Heiligkeit darf uns nichtvon dem Eingehen in uns abhalten und zerstreuen. Gottin uns soll der einzige Gegenstand unsers Geistes sein,und nicht so sehr das Gute oder Böse in uns; denn indieser göttlichen Sonne bemerken wir unfern Staub bes-ser, als durch alles Anschauen unsrer selbst.

In Ihm grüße ich Dich herzlich, werther Bruder,und umarme Dich in seiner Liebe, in der ich bleibe

Dein

schwacher Bruder.