1864—1865, das andere 1871—1873 entstanden,hatten sich ungenannte Stifter gefunden. Der sechsteund letzte Karton mit der Anbetung des Lammes wurdevon Verehrern des im Jahre 1879 verstorbenen Prä-laten Sirt Karl Kapff bestellt und 1883 von Neher voll-endet , aber erst nach seinein Lode in Glas ausgeführt.
Diese sechs Chorfenster der Stiftskirche betrach-tete der Meister selbst als das Hauptwerk seinesLebens. Die Kartone der fünf ersten wurden auf An-trag von Professor Häberlin von der württembergischenRegierung angekauft; der des sechsten kam später auchin die Stuttgarter Staatsgalerie.
Vergessen wir nun vor allem nicht, daß Neher einguter, wenn auch keineswegs fanatischer Katholik, füreine protestantische Kirche arbeitete. Er war dadurchgenötigt, vieles beiseite zu lassen, was einem katho-lischen Maler bei der Darstellung der christlichen Heils-wahrheiten einfallen konnte und mußte. Aber geradediese ihm auferlegte Beschränkung gab manchfache An-regung zu selbständiger Komposition und, von kleinen,leicht ausgeglichenen Differenzen abgesehen, fand sichNeher ganz wohl mit dem protestantischen Bewußtseinzurecht. Er suchte seine Motive für die symbolischenNebenbilder, so weit er sie nicht in den bekannten Gegen-typen des Alten Testamentes fand, statt in der Kirchen-geschichte und der Heiligenlegende im Neuen Testament,besonders in den Gleichnisreden von Jesus auf. Stilistischknüpfte er in den ersten drei Kartonen nicht, wie beiseinen römischen Bildern, an Rafael, dessen Formensprachefür moderne Protestanten die verständlichere gewesenwäre, sondern ganz deutlich mehr an Fiesole an. Wie