versagte. Obwohl dieser selbst einst lateinischen Unter-richt genossen, hatte er eine unüberwindliche Abneigunggegen gelehrte Künstler. Es kostete den Sohn in späterenJahren viele Mühe,'das Versäumte nachzuholen; aberes gelang ihm, abgesehen von der Erlernung der klas-sischen Sprachen, an die er sich nicht mehr wagte, sichim Laufe der Zeiten eine ganz achtungswerte Bildungzu erwerben.
Durch die Vermittlung der klugen Mutter gewann erim dreizehnten Lebensjahre an dem Maler Franz Müller >>einen höheren Kunstlehrer. Ein Schüler von JohannBaptist Pflug2) in Biberach und Johann Baptist Seelein Stuttgart, war Müller ein technisch wohlgeschulterMeister, als Reisebegleiter von adeligen Herrn mit denKunstschützen Deutschlands und Italiens wohl vertrautlind dabei ein Mann von liebenswürdigem Charakterund feinen Umgangsformen, an denen sich Neher einglücklich frühes Vorbild nahm. Müller teilte dem Zög-ling seine in Rom gemachten Bleistiftzeichnungen nachFiguren und Gruppen aus der Schule von Athen, derDisputa und anderen Gemälden Rafaels mit und gabihm die Schriften von Anton Rafael Mengs <1728bis 1779) über Rafael, Correggio und Tizian zu lesen.In kurzer Zeit wagte es Bernhard, von so sichererHand geleitet, eigene Kompositionen, einen harfenspielen-den David, einen Christus am Jakobsbrunuen mitder Samariterin, einige Bildniste und zuletzt sogar
H Geb. in Biberach. Man findet Landschaften und Bildnissein Aquarell und Oel von ihm vielfach in den oberschwäbischenStädten. Sein Geburts- und Todesjahr ist nirgends angegeben.
2) S. Nr. XVI. I. V. Seele. S. 180 Anm. 1.