Druckschrift 
Württembergische Künstler in Lebensbildern : mit 22 Bildnissen in Holzschnitt
Seite
184
Einzelbild herunterladen
 

184

I. B. Seele

konnten, steckte er abgeschnittene Haare seiner Mutterin abgenützte Federkiele und benützte als Farben Tinte,den Ziegelstaub, womit der Vater seine Waffen Putzte,und Ochsengalle, die ihm die Mutter zum Gelb ausder Metzig mitbrachte. Ein um zwei Jahre ältererBruder schrieb sogenannte Agathazettel und der kleineKünstler verzierte sie mit allerlei schönem Laubwerk, auchhin und wieder mit dem Bilde der h. Agatha selbst.Solche Zettel wurden von den Leuten gekauft undan die Thüren geklebt, um den Hexen den Eingang zuverwehren.

Von Hüfingen aus schickte der Vater die Knabennach Donaueschingen in die Normalschule, aber in denNebenstunden wurden von dem jüngeren Soldaten undVögel gemalt, manchmal sogar militärische Kompositionennach den Erzählungen des Vaters aus dem siebenjähri-gen Kriege. Der fürstenbergische Oberlieutenant vonConsoni sah eine solche Zeichnung auf der Wachtstube vonDonaueschingen und schenkte dem Korporal ein Acht-groschenstück mit dem Bedeuten, seinem Jungen eineFarbenschachtel zu kaufen. Geschenke des regierendenFürsten von Fürstenberg, Josef Wenzel, und seinerSchwiegertochter, Marie Antonie, einer geborenen Prin-zessin von Hohenzollern-Hechiugen, setzten den Jungenin stand, seine Versuche in größerem Maßstabe fort zusetzen.

Im Herbst 1781 wurde der Vater Seele nachWolfach im Kinzigthale versetzt. Auch dort trieb derSohn die Kunst neben der Schule fort und wagte sichohne jede Anleitung selbst ans Oelmalen. Vögel, vomVater oder Sohn geschossen und von dem letzteren nach