I. H. Dannecker
119
Verehrte Meister die häufigen Besuche seines hohenFürstenhauses und vieler Gäste desselben; hierher wall-fahrtete, wenn wieder ein neues Werk vollendet war,viel Volk aus Stadt und Land; hier suchten ihn dieberühmtesten Kunstgenossen ans, außer Canova auchThorwakdsen, welcher, wie Goethe, einen Tag um denandern für Stuttgart zngab, zweimal Rauch, der mirnoch im Jahre 1855 mit leuchtenden Augen von seinem„lieben Freunde" Dannecker erzählte, Cornelius, Davidvon Angers und viele andere; im Antikensaale diesesHauses, den Kronprinz Wilhelm mit den Abgüssen derdamals nach Paris zusammengeraubten Kunstwerke ge-schmückt hatte, versammelte sich lange Zeit jeden Abendeine Gesellschaft von Künstlern, Gelehrten, Aerzten,Staatsmännern zu trautem Gespräche; hier ließ sichauch einführen, was von geistig hochstehenden Fremdenauf länger oder kürzer nach Stuttgart kam, die Rückert,Schelling, Humboldt, Brönstedt, Lord Elgin, Männerund Frauen aus allen Nationen.
Andere Zeiten, andere Verhältnisse. Was in demkleinen Stuttgart möglich und einzig schön war, wirdin der großen Stadt von hellte nicht leicht so wieder-kehren. In einem engen Kreise durfte damals derKunst gehuldigt werden und es konnte vielleicht um sofeiner geschehen. Heute verlangt sie eine Pflege imGroßen und Weiten. Viel ist seit Danneckers Hingang,zumal in den letzten Jahrzehnten, geschehen, um ihreine solche angedeihen zu lassen. Oeffentliche Lehrersind bestellt, um mit beredtem Munde das Verständnisfür Wesen und Geschichte der Kunst aufzuschließen.Reiche Sammlungen des Staats stehen mit einer vor-