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Württembergische Künstler in Lebensbildern : mit 22 Bildnissen in Holzschnitt
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I. H. Dannecker

der Kunst des Mittelalters und der Renaissance gegebenhätte.

Der im Jahre 1826 für die Grabkapelle auf deinRoten Berge in Marmor nusgeführte Evangelist Johannes,mit dessen derben Körperformen Dnnnecker der kirch-lichen Kunstüberlieferung absichtlich, aber nicht glücklichTrotz bot, ist zwar als Gewandfigur dem Christus vor-zuzieheu, aber mit der, wie ganz zu theologischen Lehr-zwecken erfundenen Haltung mag man sich noch wenigereinverstanden erklären. Beide Werke übertrifst unstreitigan natürlich frommer Empfindung und künstlerisch ge-sunder Gestaltung die knieende Marmorfigur, welcheDannecker unter der Bezeichnung „Sieg im Gebet" fürdas Grabmal der beiden Großherzoginnen von Olden-burg im Jahre 1823 geschaffen hat.

Nicht ohne tragisches Gefühl lesen wir in den Be-richten und Briefen seiner Zeitgenossen, wie der Meistergerade mit Werken sein Höchstes geleistet zu habenmeinte, in welchen das übereinstimmende Urteil derNachwelt schon eine Abnahme seiner Kunst zu erkennenglaubt. In der That kam das Alter rascher über seinenGeist, als dies bei einem Manne von seiner Gemütsartund Lebensweise zu erwarten war. Viel trug dazu dielange Krankheit und das im Jahre 1823 erfolgte Hin-scheiden seiner Gattin bei, mit welcher er so lange einHerz und eine Seele gewesen war. Ein schweresLeiden, das ihn selbst im Jahre 1829 überfiel, konnteseinen kräftigen Körper nicht niederwerfen, aber es führteüber seinen, einst so Hellen Sinn langsam eine stilleDämmerung herein. Vor tausend anderen reich anschönen Erinnerungen, verlor Dannecker in den letzten