I. H. Tannecker
115
Rapp im Jahre 1824 über das vollendete Werk, „undeinen höheren Triumph kann die Kunst nicht feiern."
Sie kennen die Statue, wenn nicht von Petersburgoder Regensburg her, so doch von der hiesigen Spital-kirche, wohin der Meister selbst das Modell stiftete. Beidem unbefangenen frommen Beschauer verfehlt das hehreBild noch heute seine Wirkung nicht; sie liegt zumeistin dem gewaltigen Vorhanpte bei sehr milden Gesichts-zügen und in der Verbindung der Kolossalgröße mitden denkbar einfachsten Formen. Die Künstler undKnnstgebildeten dagegen haben sich zu keiner Zeit rechtdamit befreunden können. Sie fanden und finden dieBewegung zu lehrhaft, die Gewandung zu dürftig.
Das Schicksal schien damals selbst Dannecker einenSchritt nahe legen zu wollen, zu welchem sich fast umdieselbe Zeit auch Thorwaldsen entschloß, freilich ohnedarum mit seinem Christus viel glücklicher zu sein: dieAnnäherung an die naive Tradition der kirchlichenKunst. Im Jahre 1819 kamen die Brüder Boisseröemit ihrer reichen Sammlung von alten deutschen undvlämischen Bildern hierher und waren bald die engstenHausfreunde bei Dannecker und Rapp, dessen TochterMathilde, der Liebling des Oheims, die Gattin vonSulpiz Boisserve wurde. In dieser Sammlung lernteDannecker die herrlichsten Ideale der kirchlichen Kunstkennen und fand an Sulpiz Boisseroe einen geist-vollen Erklärer, dessen Enthusiasmus selbst die klassi-zistische Theorie eines Goethe nicht hatte widerstehenkönnen. Aber des Künstlers Auge war zu lange nachGriechenland und dorthin allein gerichtet gewesen, alsdaß es für ihn noch eine fruchtbare Berührung mit