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Württembergische Künstler in Lebensbildern : mit 22 Bildnissen in Holzschnitt
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I. H. Dannecker

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druck gebracht. Und doch waren er und sein mit-schaffender Freund Christen im allerstrengsten Sinnedes Wortes, gläubige, evangelische Christen. Es wardeshalb nur ein natürlicher Rückschlag in dem Gemüteund in der Phantasie des Künstlers, daß er sich umdieselbe Zeit mit dem Gedanken eines kolossalen Christus-bildes zu tragen ansing, als seine Ariadne unter demKlageruf der Stuttgarter Kunstfreunde, man möchtesagen, selbst trauernd, ans unserem rebengrünen Thaleschied.

Mit dem Feuereifer eines Jünglings ging der nunfast Sechzigjährige an die neue Arbeit?) Wie seinegriechischen Götter wollte Dannecker auch seinen Christusim tiefsten Grunde seines Wesens erfassen, ihn ganzals Gottmenschen und als Vermittler zwischen Gott undMensch darstellen. Er las und las wieder in seinem NeuenTestamente; Zeichnung um Zeichnung, Skizze um Skizzewurde gemacht; Erwachsene und Kinder wurden ge-hört; bis zu Traumvisiouen steigerte sich seine hoch-gespannte Einbildungskraft. Als die Kaiserin Mariavon Rußland im Herbst 1818 in sein Atelier kam,an der Skizze Gefallen fand und eine Marmornus-führung für St. Petersburg bestellte, verdoppelte sichsein Eifer; er ließ eine eigene Werkstätte dafür bauen,welche aus ihrem Gewölbe das Hauptlicht von obenempfing. Sie wurde auf lange Zeit, da das Werkspäter für die fürstliche Familie Taxis wiederholt wurde,ein Wallfahrtsort für Stuttgart und eine weite Um-gebung. „Ter Eindruck ist unglaublich," schrieb sein

') S. Rapp im Kunstbl. Jg. 1824 S. 277 ff.