Druckschrift 
Württembergische Künstler in Lebensbildern : mit 22 Bildnissen in Holzschnitt
Seite
60
Einzelbild herunterladen
 

60

P. I. Scheffauer

Beyer') vertreten, der später k. k. Hofbildhauer in Wienwurde. Professor der Bildhauerkunst war damals derBelgier Pierre Franyois Lejenne^), auch er vom Rokokoausgegangen, aber einem ernsteren Kunstziele zustrebend,wie seine Hochreliefs Stillschweigen und Nachdenken, imStuttgarter Schlosse, und seine Apollostatue, einst imBibliotheksaale von Hohenheim, jetzt im Schlosse zuLudwigsburg, zeigen. Einen Einblick in die Kunst-prinzipien Guibals und Lejeunes gewährt die berühmtgewordene Preisbewerbung des Jahres 1777. Die Auf-gabe hieß: „Man verlangt ein Modell, das den Milo in

0 S. o. in Nr. V. R. F. H. Fischer S. 29 Anm. 1.

2) Geb. in Brüssel am 10. März 1721; bildete sich dort alsBildhauer aus; lebte und arbeitete zwölf Jahre in Rom, wo erdas Mausoleum des Kardinals de la Trömouille in der Kirche desh. Ludwig und die Büsten von Benedikt XIV. und von KardinalLaute im Pal. Laute u. a. schuf; kam 1753 als xrsinier seulxteurnach Stuttgart; wurde 1761 Professor an der in diesem Jahregegründeten ^eaäeinis äes Jrt8, 1773 an der Militärakademie.Im I. 1778 ging er in seine Vaterstadt zurück, wo er am80. Tcz. 1790 unverheiratet starb. Am Portikus des StuttgarterSchlosses finden sich noch von seiner Hand die Kolossalstatuen vonHerkules und Minerva (1759), im Innern außer den gen. Bas-reliefs eine Büste von Herzog Karl und ein großes Porträt-Bas-relief desselben (1776). In den Ecknischen des Schlosses Monreposstehen von ihm in Sandstein die vier Jahreszeiten. Vgl. Pfeijser,in: Paulus Die K. u. A.-Denkm. im K.-R. W., Neckarkreis,S. 587 u. Wauters in d. LiblioAr. Nation, x. p. I'.lcael. k. äsLslgigno I. 11 p. 734 s. An letzterer Stelle werden von ihmaus seinem Aufenthalt in Italien, Stuttgart u. Brüssel nochweitere Werke aufgezählt. Ucber seine Thätigkeit als Lehrer habeich kein Urteil von Zeitgenossen gefunden; Schüler wie Scheffauer,Danucckcr u. a. lassen sie als sehr erfolgreich erkennen. Als Künstlerist er zu den besten Vorläufern des Klassizismus zu stellen.