r;8 Geistliche Briefe.
Schwachheiten der andern auf; da man docheine Biene und nicht eine Spinne sepn sollte:und so könnte man oft aus dem kleinstenVlümlein noch wohl den reinesten Honig derTugend sammeln. Der eine thut der Sacheim Umgänge zu viel, der andere zu wenig.Achtet man nun die Gemeinschaft der Heiligenzu gering, oder man macht sich dieselbe nichtrecht zu nutze: dann nimmt uns GOtt seineKinder weg, oder drohet uns, durch dersel-ben Krankheiten oder Gefahr, daß er sie weg-nehmen wolle. Und so gehts auch in Anse-hung aller Gnadenmittel und derjenigen Werk-zeuge, die GOtt zu unserem Beßten gebrau-chet. Merkt es doch: warum har uns derHErr das gerhan? Es könnten Tage kom-men, da mancher seufzend wünschen möchte,nur den Geringsten der Frommen einmal zusehen und zu sprechen, und wirds nicht habenkönnen. Nur sollen wir auch würdiglich sol-cher seligen Gemeinschaft wandeln.
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Andere vergehen sich zur Rechten mit ih-rer sinnlichen Ausgelaßenheit, Pupperei oderAnhänglichkeit, und suchen gleichsam ibrenZeitvertreib, ihre sinnliche Freude und Ver-gnügen bei den Frommen, mehr als ihre eigeneErbauung und Förderung. Nun zum Spie-len gibt GOtt die Perle nicht, dann nimmter sie uns weg. Ein reines Vergnügen ver-gönnet er, aber nur um so viel munterer ausdem Kreuzes - und Verläugnungswege fort zu
gehest.
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