Geistliche Briefe.
O Schwester! vergiß dich selbst und alleAbsichten auf dich selbst ein wenig mehr; deinHerz sey ausgebreitet in GOtt, dem du ange-hörest, und der unveränderlich Liebe rst. Inden angenehmen Tagen beweist GOtt unsferne Liebe; in den dürren, dunkeln Leidens-tagen sollen wir ihm unsere Liebe beweisen.Die Proben sind dienlich, uns unsereSchwache zu lehren; unser Elend undSchwache aber lehren uns, daß wir unsselbst verlaßen, und immer nackter in JE-sum uns ersenken. Unser Verderben ist manch-faltig und tief. GOtt hat vieles mit uns zuthun; wir sollen ihn nur machen laßen; erwirds herrlich hinausführen. Mit unseremSorgen und Grämen verhindern wir mehr,als wir befördern. Erhebe dein Gemüth inkindlichem Vertrauen, und wage dich dabei.-Hier ist die Zeit, da man aus Liebe zu GOttwas arbeiten und leiden kann und muß;laßet uns dieses, mit stillem Muth, uns zunutz machen: die Seligen im Himmel habendiese schöne Gelegenheit nicht mehr.
Es ist die Wahrheit, was du sagest, daßdu dazu neuen Muth und Stärke, und desDinges mehr nöthig hast. Hüte dich aber,liebe Schwester, daß du auch nicht versuchest,in dir selbst diese schöne nötbige Sachen zusuchen, und werdest dann kleinmütbig, wenndu solche Früchte nicht in deinem eigenen Gar-ten findest. Sey in dir selbst gern arm undschwach; entsinke dir selbst, in stillem und
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