98 Geistliche Briefe.
wenig gelegen, und er ist allezeit hochst-an-berhens - und liebenswürdig, und er liebetauch uns nicht weniger in der Blöße undim Leiden, als wann wir Freude und alleFülle haben. Gelobet sey der HErr, daßer dir noch gibt, was er gibt, und daß ernoch das kindliche Vertrauen im Grunde er-hält! Ewig wollen wir ihn lieben, und ganzihm ergeben seyn. Ja, Amen!
Deine kindliche Offenherzigkeit, womitdu mir auch schreibest, was im Punct dei-ner Schwachheiten mit dir vorgehet, ist mirauch angenehm. Der HErr weiß welch ei»Gemachte wir sind. Er wird helfen, stär-ken, und alles in gebührende Ordnung brin-gen. Bleibe nur bei dem allem getrost undim stillen Vertrauen; ästimire es so hochnicht. Verdrießlichkeit und Kleinmüthigkeitschaden dir mehr, als ein anderes Uebel.Vergiß es, und sinke durch dein Nichts inGOttes Allheit. GOtt liebet dich dennoch,und ich liebe dich auch deßwegen nicht umein Härlein weniger. Ein Mehreres, wannwir beisammen kommen. Du bist mir imGeiste nahe, liebe Herzensschwester, und indiesem Geiste grüße und segne ich dich mitbrüderlichem Herzen.
Dein
Mülheim, verbundener schwacherden ir. Febr. 1759. Bruder.
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