Druckschrift 
Bd. 2 = Th. 4 (1799)
Entstehung
Seite
29
Einzelbild herunterladen
 

!V. Theil. izter Brief. sy

'ade!

dalli,

V«i-

Vtttt

; »NdB"

Du mußt deinen Zustand nimmer beurthei-len nach dem Gefühl, sondern nach dem inne-ren Willen deines Herzens. Dein Herzens-wille , ja dein ganzer Wille will nur GOttaufs beßte vergnügen, aufs lauterste lieben,und aufs genaueste in ihn eingekehrt leben,ob du gleich so wenig davon fühlest undfindest. Dein Herzenswille will nicht dasBöse, das Verderben, die Eigenheit, ob dues gleich mußt fühlen, und mit Schmerzenfühlen. GOtt stehet diesen deinen Herzens-willen an, den er dir auch selbst gegeben;und der süße GOtt wird dir, wenn seineStunde da ist, so gewiß die Erfüllung unddas vollbringen geben, so gewiß er dir daswollen gegeben hat.

Du magst das wohl blindlings glauben,daß du selber Schuld an der Dürre und Un-empfindlichkeit bist, ob du gleich dich keinerbesondern Abweichung erinnern kannst. Auchsollst du deßwegen nicht scrupuliren, nichtklemmürhig werden, sondern herzlich kleinsollst du werden. Wenn GOtt uns Gnadezur Treue, Ernst und Tugend gibt, danndenkt man oft, wie weit man schon gekom-men sey; und docb ists nur Gnade. In derDürre will uns GOtt besser zu erfahren geben,daß es nicht unser Gut und Kraft gewesen ist,und daß die Wurzeln vom Unkraut noch imGrunde stecken. Wenn GOtt uns empfind-liche Liebe, Trost und Vergnügen gieber,dann verderben wir oft das Gute durch subtile

Eigen-