Druckschrift 
Bd. 1 = Th. 2 (1798)
Entstehung
Seite
431
Einzelbild herunterladen
 

II. Theil. r47ster Brief. 4zi

I

c.

Noch mehr: Alles ungläubige Ansehenunserer selbst, unserer Elenden, Schwachhei-len und Unwürdigkelten ist alles ein Sinkenin unsere Narur, und manche gurmeynendeGemüther laßen sich lebenslang also durch denGeist der Furcht gefangen halten. Es ist zwarGnade, wenn wir unser Elend sehen; wirmüßens sehen und fühleil. Unser Verderbenmuß uns sehr mißfallen, weil es GOrt mißfal-let; wir mäßen innigst wünschen, davon er-löset zu werden: allein, wir sollen weder durcheine eigenliebige Störung, noch durch einekleinmüthige Unglaubigkeit und Verzagtheitdabei stehen bleiben, sondern unser Gesichtkindlich davon ab- aufJEsum richten, miteinem stillen Vertrauen, daß er uns könne,wolle und werde von allem erlösen aus freierGnade, und uns heilig und herrlich machen.Ich sage aus. freier Gnade; denn unserGlaube und Vertrauen muß sich weder grün-den und nähren, noch schwachen laßen dur chein Zurücksehen auf uns selbst und unsere Be-schaffenheit. Das ist alles ein Sinken in un-sere Natur. Wir sind zu aller Zeit unwürdigund abscheulich, und nimmer sind wcks mebr,als wann wir Gefallen an uns selbst haben.Wir sollen derhalben immer klein, aber nim-mer kleinmülhig seyn. Uns selbst sollen wirdran- und hingeben, G-Ott aber allein ansehen,Ihn erwählend als den einzigen Vorwurfunserer Liebe und unseres Vertrauens, in demsüßen Namen JEsu, und alles, was uns

fehlet.