4l2 Geistliche Briefe.
Ungewißheit laßen sollte. Seine Weisheithat dieß Wunder ausgefunden, daß solchenSeelen die Früchte ihrer Sünden, nämlichihre Leiden, Lasten, Finsternissen rc. rc. Zurheilsamen Arznei und zu einem Mittel ihrerHeilung dienen mäßen, und in der Absichtund L poüeriorl, (d. i. von Hinten nach) istihnen solches GOttes Wille. Man thut undman leidet, was vorkommt, mit Absicht aufGOtt und sein Wohlgefallen, so gut undtreu als mans immer verstehet und ver-mag, mit herzlichem Verlangen, daß manstäglich möge besser machen, und ist ganz willig,alle Fehler zu verbessern, die uns bekanntgemacht werden.
In solcher Einfalt des Herzens lebet,mein lieber Freund, nur mit mir vor demHErrn, und glaubets nur ohne Bedenkenund Begreifen (wiewohl dieses letztere dochauch, wie mir deucht, leicht ist) daß ihr, inAbsicht auf eure Person und für gegenwär-tige Zeit, in der Ordnung GOttes seyd.Nach dem inneren übergebet euch GOtt sovöllig und ausrichtig, als ihrs durch seineGnade vermöget. Will euch der Scrupelkommen, ob ihrs so thut: so bezeugets nurdem HErrn, daß ihrs gern so thun wollet,und laßet dann den Scrupel fallen. Laßt eureUebergabe gepaart gehen mit kindlichem Ver-trauen, daß euch GOtt, um JEsu willen, wer-de helfen, und daß er wolle euer GOttfeyn, wie bunt es immer aussehen mag.
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