Druckschrift 
Bd. 1 = Th. 2 (1798)
Entstehung
Seite
356
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z;6 Geistliche Briefe.

dürre, deutlich oder allgemein ist, nach derSeelen Fähigkeit und GOrtes Belieben.Wird diese Grundneigung durch kindlichesBeibleiben, und treue Folge cultivirt, so wirdsie immer centraler, lauterer rc. und die Seelewird immer mehr simplificirt, abgeschiedenund innig gemacht; und also bekommt manauch immer mehrere Gewißheit von der Wahr-heit GOttes und der Dinge seines Geistes:aber eine Gewißheit, die auf Erfahrung, nichtaber auf Vernunftsschlüssen beruhet. ImGrunde der Seele wird eine Gewißheit gele-get, welche völlig beruhiget, wie allgemeinund dunkel sie auch öfters seyn möchte. Keh-ret sich aber die Seele aus, macht Reflexionen,und beurtheilet die Sachen mit der Wirksam-keit ihrer Vernunft, so kommt Zweifel undUnruhe, es sey denn, daß es zu gebührenderZeit, und mit Erlaubniß des inneren Meistersgeschehe; darum bleiben die unschuldige Her-zenskinder am ruhigsten und seligsten. Ichweiß nicht warum ich dieses schreibe; es wirdin Einfalt und Liebe genommen werden.

Ich grüße und umfasse den lieben Bruder,im Geist der Liebe JEsu, und empfehle michin sein Andenken vor dem HErrn, der unserLeben, Wollen und Wirken immer völligerwerde! Amen.

Des geliebten Bruders

Mülheim, verbundener Mitbruder,den 4. April 1757.

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