Druckschrift 
Bd. 1 = Th. 2 (1798)
Entstehung
Seite
333
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II. Theil. nuer Brief. zzz

glaube nicht, daß ich eher an dich habe schrei-ben mäßen, als heule.

Sehe ich an, was GOtt an deiner Seelethut, so kann ich nicht daran zweifle», daßEr nicht Vorhabens sey, was Rechtes ausdir zu machen. Mache dich aber auch dazugefaßt, daß du auch erwas, ja alles dabeiwagen und aufopfern kannst, um dem GOtt,der dich rüfet, rechtschaffen zu folgen. Es istGOttes sonderbare Barmherzigkeit, daß erdir zu fühlen gibt, was du in dir selbst bist.Dieß wird dich unvermerkt zubereiten, dichselbst zu verlaßen, um in GOtt einzugehen,der allein unser Leben werden will. DeineSinnlichkeit ist beweglich, zart und zärtlich;soll sie ja im Kreatürlichen kein Futter haben,so sucht sie es im Geistlichen, und sollte gernGOtt und alle göttliche Gaben zu sich reißenwollen. Da nun derHErr, zu deinem Beßren,der Sinnlichkeit nicht viel zufließen läßet, sobekommt die Natur eine mürrische verdrieß-liche Gestalt, und sollte wohl mit dem Hundin den Stein beißen; und weil die Eigenliebezum Grund lieget, so ist dann die Klein-müthigkeit das Ende. Was ist zu thun?Nur GOtt zu folgen in seiner heilsamen Füh-rung, der deine Eigenliebe zerstören, und dichfähig machen will. Ihn zu lieben mit einergeraden Wendung deines Herzens, gleichwiedie Eigenliebe eine krumme Zuwendung zuuns selbst ist. Er har dir etwas ins Herzgelegt, das ganz und auf ewig für GOtt seyn

will;