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Geistliche Briefe.
kungen recht zu erfahren, und ihnen RechtRaum zu laßen. Es ist wahr, ein ungesior-bener Mensch kann wohl in eine falsche Ledig-keit gerathen; aber das geher bei aufrichtigenHerzenskindern nicht an , die sollten sich jagerne helfen, Wenns in ihrem Vermögen wäre,wie sie dann auch ihr Beßtes schon gethanhaben; sie erfahrens aber, nicht ohne Wehe-thun , daß ihre Kräfte sinken und nicht zuläng-lich sind, ihrem Uebel abzuhelfen. In demGewirk und in der Manchfaltigkeit werden siegeschwächet, in der inneren Einfalt und Stilleaber verborgentlich gestärket. Die Liebe locketund führet sie immer mehr auf Eines, welchesalles in sich fasset: nämlich auf die innigsteLoslaßung ibrer selbst und alles Geschaffenen,damit der HErr ihr Herz und Willen unge-teilt haben und behalten möge, in seinerHand. Es denket manche Seele nicht, daßdieses alles von der Liebe in ihr gewirket werde;nur spüret sie öfters die allerzärteste Neigungenzu einem solchen völligen und innigen Wesen;wann sie nur daran gedenket, oder ein Wortdavon höret, so wird ihr Gemüth davon wiegesalbet, und alles in ihr muß solchem Sinnezustimmen. Will sie in eigenem Wirken dieSache angreifen, und diesem völligen Sinnnach Christo ein Genüge leisten, so sinkt siebald wieder in ihre Ohnmacht, und das Ge-müth wird trübe, hart und unruhig; sinkt sieaber wieder in die innere Einfalt und Stille,so wird ihr wieder sanft und wohl. Solche
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