Druckschrift 
Bd. 1 = Th. 2 (1798)
Entstehung
Seite
214
Einzelbild herunterladen
 

Sl»

Geistliche Briefe.

dichs allgemach zu viel heraus locken. Jeneeinfältige Wirksamkeit aber, daß du nämlichso ein einfältiges Wort in der Uebung mitredest, glaube ich nicht, daß dem Herrnmißfalle; thue es aber auch fein einfältig,und ohne scrupuliren, mit einem kindlichenJnnebleiben bei dir selbst, so viel GOttGnade gibt. Ueberlege nicht so viel, ob dusollst, und was du sollst? Uebergib dich GOtt,und thue dann, so wie es dir den Augenblickam beßten vorkommt und gegeben wird; undwanns geschehen ist, so besiehe es nicht lang,sondern übergib dich abermals GOtt, ohneAurückdenken. Plagen dich dennoch, widerWillen, die Ueberlegungen, Speculiren oderEigenheit, so achte nicht darauf, und leidees mit Geduld.

Aber wie schreibst du so albern, lieberBruder! du hättest nämlich gehöret, daß deinReden bei vielen einen Segen gehabt, Meß-wesen die Eigenliebe hinter dir her gewe-sen rc. Meynest du das? Ach nein, lieberBruder! Wer dir das gesagt hat, der hatdich betrogen. Ich habe schon so viel ge-sprochen und geschrieben, und weiß nochnicht von so vielem Segen zu sagen: dasüberlaße ich GOtt. Wir denken das wohloft so im Unverstand, aber dem ist oft vorGOtt gar anders. Wir, die wir das Wortführen, sind wie die Orgelpfeifen, die denTon geben; da sitzt aber hie und da in derHütte ein einfältiges inniges Herz, das gibt

Di"

W»

»ch

>L

s«ss>

Hk

Oj