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Geistliche Briefe.
und 6. Schlage diese Verse einmal nach,und siehe, ob das Zürnen heißt?
Fasse deine Seele doch in möglichster Ge-duld! Der bittere Leidenskelch wird bald aus-getrunken seyn. Du gefällst GOre, wanndu um seinetwillen leidest. Ist der Grundnicht kräftig genug, dich in der Geduld zustärken? Indessen danke ich dem HErrn, vonganzem Herzen, daß er dich berufen undgewürdiget hat, dich so genau in seine Zuchtzu nehmen, um dich durch Leiden, in der wah-ren Heiligung zu vollenden: ja, ich dankeihm auch, mit inniger Vergnügung, für alledie Gnade, die er dir in diesem Zustand er-weiset, daß du, mitten in allen Leiden undVersuchungen, dennoch die Sünde hassest,und die Heiligkeit liebest; daß du dich demKreuz, nach dem innersten Grunde, nicht ent-ziehen willst; daß du sein Wohlgefallenliebest, seine Güte preisest, und daß du end-lich deinen höchsten Trost darin setzest, daßGOrr nur in dir und andern mag geliebetund verherrlichet werden: wenn dann schon,wie du schreibst, alle deine Blutstropfen soll-ten verzehret werden. Ist dieses Verlangenwahrlich in dir, wie du dich ausdrückesi, undwie ichs dir auch glaube, so danke mit mirdem Herrn dafür, und glaube frei, daßFleisch und Blut dir solches nicht gegebenhaben. Ja GOtt wird schon verherrlichetin dir eben jetzt, da du selbst vernichtiget wirst,
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