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Bd. 1 = Th. 2 (1798)
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Geistliche Briefe

wie ein dummes Kind, einher zu gehen.Denker nicht voraus, und sehet nichtzurück ; beides bringet Unruh, und ist eu-rem jetzigen Stande zuwider. Der gegen-wärtige Augenblick muß eure Wohnungwerden; darin findet man allein GOtt undseinen Willen. Insgemein gesprochen, wer-det ihr fast nimmermehr fehlen, wann ihr, inäußeren Dingen, so zu Werk gehet, wie eseuch im gegenwärtigen Augenblicke vorkommt.Denket ihr voraus oder zurück, so seyd ihrschon in Unruh und Zweifel, und wisset nichtmehr, was GOttes Wille ist. Machet euchkeine Scrupel über die Werke des Gehor-sams, wenn es an sich nicht Sünde ist. Alleeigene Wahl, wie gut sie auch ist, muß demGehorsam weichen.

Redet nicht viel mit den Menschen, ohneNoch. Wenns möglich ist, so redet niemals,so lang der Affect des Zorns oder der Ver-drießlichkeit stark in Bewegung ist. Redetwenig oder gar nicht von euren Leiden gegenandere. Es sey euch genug, daß der HErreuer GOtt, euch leiden stehet; ja er schaueteuch zu. Indessen ist es doch eine kleineVersuchung, wenn ihr der Kinder Gesellschaf-ten gar solltet meiden, oder auch mich nichtbesuchen wollen, es sey unter welchem Scheines auch wolle. Wir sind alle Elende und Sün-der in uns selbst, und schuldig, einer desanderen Last zu tragen. Ihr solltet mich nunnicht weniger besuchen, als ihr auch sonst

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