Druckschrift 
Bd. 1 = Th. 2 (1798)
Entstehung
Seite
118
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Geistliche Briefe.

Natur, du sollst doch sterben und ver-nichtiger werden! und laßt sie dann da ohneeuch ihrer Raserei anzunehmen. Fasset euchdabei in möglichster Geduld; brechet nicht zuviel aus in Worten, wenn es euch einigermaßen möglich ist, euch inzuhalten; gebetnicht gleich allerhand zweifelmüthigem Wün-schen Raum, als nämlich: daß ihr zu sterbenwünschet, und dergleichen mehr.

Bisweilen kommt euch in Sinn: es könnteso nicht länger ausgehalten werden; ihr müß-tet es aufgeben, und wieder zur Welt keh-ren; es sey doch auf ewig mit euch verlo-ren. Aber besinnet euch einmal, liebe Schwe-ster, habt ihr euch Vorzeiten nicht manch-mal und von Herzen an GOtt und dessenFührung ergeben? Habt ihr nicht oft inAufrichtigkeit von ihm begehret, daß er euchvon allen euren Verdorbenheiten gründlichreinigen und vollkommen heiligen möchte, durchsolche Mittel und Wege, als er es möchtegut finden? Habt ihr ihm nicht oft und vonHerzen angelobet, ihm, durch seinen Beistandgetreu zu bleiben bis in den Tod? Wie!Seyd ihr dann solches alles so gar verges-sen? Jetzt, da GOtt euer Gebet!) erhörethat, und euch antastet, wo es euch wehe thut;nun wollt ihr den Muth aufgeben, und zurückkehren; ist das Wort gehalten? Aber nein!ihr seyd nicht mehr euer selbst; ihr habt euchdem HErrn geschenket, und er hat euch ange-nommen; ihr habt über euch nichts mehr zu

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