Druckschrift 
Bd. 1 = Th. 2 (1798)
Entstehung
Seite
112
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Geistliche Briefe.

alle mit einander von einem Lutherischen Pre-diger zum Lesen und zu kaufen angeboten.Ich las mit vieler Begierde, verstand aberfast nichts, kam auch in Angst und Bestra-fung. Ich bethete inbrünstig und viel zuGOtt, um Licht und Rath; bald legte ichdie Bücher hin, bald las ich sie wieder. DieUnruh und der Zweifel blieben nach wie vor,und hinderten mich nicht wenig: endlichbracht' ich die Bücher zurück, und fand als-bald Erleichterung im Gemülh. Nach etli-chen Jahren sah ich unvermuthet wieder einTractätchen von ihm; und da sah ich, ohneviel Forschen und Scrupuliren, mir Vergnü-gen und Erbauung, viel schöne Wahrheitendarin. Jetzt lese ich zwar wenig darin,äsiimire sie aber in sich als gut: doch glaubeich, daß viele Gemürher dadurch aufgehaltenwerden, weil sie sich derselben zu viel, odernicht recht bedienen.

Ist also meine Meynung, daß du siegegenwärtig entweder ganz beiseit legen;oder, wanns ohne Unruhe und Mühe gesche-hen kann, gar wieder zurück schicken sol-lest: denn ich bin gewiß, daß sie dir gegen-wärtig nicht dienlich sind. Die Gnade willjetzt mehr auf dein Herz und willen , alsauf deinen Verstand wirken, um nämlichalle Lust und Liebe deines Herzens von al-lem ab - ganz zu sich zu ziehen, und in sichzu versammle», und deinen willen demgöttlichen ganz gebeugt und gelaßen zu ma-chen

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