;o Geistliche Briefe.
mir mitzutheilen, hättest du ja nicht nöthiggehabt Wir sollen Kinder unter einanderseyn, und als solche einfältig zu Werk ge-hen , so fehlen wir am wenigsten. Auf diewiderwillige Einfälle der Vernunft muß derwahrlich - kindliche Sinn in den WegenGOttes nicht sehen, sondern solche, ohne sichdabei aufzuhalten, in des HErrn Gegen-wart verschwinden laßen. Ein Kind indessenist schwach, unvorsichtig, und zerbricht oderverderbt oft eine Sache. Der Vater bestraft«oder züchtiget deßwegen zwar das Kind, aberer jagt es darum nicht aus dem Hause; esbleibt doch Rind; es wird herzlich gerührtdarüber, daß es den Vater beleidiget hat;und es verspricht Besserung. Dieses Verspre-chen ist kindisch genug, doch auch kindlich,und geht von Herzen; das siehet der Vater,und darum ist es ihm angenehm, ob er gleichdie Schwache seines Kindes wohl kennet.
Siehe, lieber Bruder, also ist es unge-fähr mit unserem Thun bewandt, und mitunfern guten Vornehmen oder Versprechun-gen , die wir weder zu hoch noch zu geringschätzen mäßen. Wir schätzen sie zu koch,wenn wir einen ernsten Vorsatz schon für dieSache selbst anseben, oder als wenn wirdas nun auch so könnten halten und ausfüh-ren, wie wirs uns vorgenommen haben. Wirschätzen sie zu gering, wenn wir dergleichenals aus uns selbst entstehend, anseben, undnach ein - und andermaliger Erfahrung
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