Druckschrift 
Bd. 1 = Th. 2 (1798)
Entstehung
Seite
16
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r6 Geistliche Briefe.

zur Stärkung und Aufmunterung zu. Undda er gern ein unwissendes Kind bleiben will,so ist er eben durch eine solche Gestalt fähig,daß JEsu Geist ihn nach Belieben in alleWahrheit einleiten, und aus ihm machenkann, was er will.

Du wirst also das begreifen, lieber Bru-der, daß ich eben vom Umgang mit Freun-den, oder von Büchern nicht ganz abrarhe;vielweniger, daß ich etwas sollte verdächtigoder geringschätzig ansehen, wodurch eineSeele in der Hauptsache Nahrung bekom-men könnte; das wäre ein geistlicher Hoch-murh. Ich warne nur vor dem Ueberfluß,vor der Auskehr, und wenn man so ohne Unter-scheid und Prüfung alles wissen, beurtheilen,und sich in Umgang und Begriffe einlaßen will.Diese Prüfung aber ist ganz einfältig: wasuns nämlich stärket in der Hauptsache; wasohne Zwang ins Gemüth eingehet; und wasuns beruhiget zur Zeit der Einkehr und desGebeths, das ist gut für uns, das anderenicht. Doch sollen wir darum das anderenicht verwerfen, sondern dalaßen, wasgehers dich an, spricht JEsus noch, folgedu mir nach. Im Punkt des Umgangs bleibtmein Rath: Freundschaft mir allen Gute",aber Gemeinschaft mir wenigen. Undgibt uns die göttliche Vorsehung solche we-nige, die wir bewährt erfunden haben, dannmögen uns solche um so viel mehr lieb undwerth seyn, je seltener solche in diesen Tagen

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