Druckschrift 
Bd. 1 = Th. 1 (1798)
Entstehung
Seite
93
Einzelbild herunterladen
 

I. Theil. zzster Brief. §z

tiefes Verderben, wie du sprichst ', fühlenläßt. GOtt will dich gern in ihn selberübergehen machen; zu dem Ende muß ersdich sehen laßen, daß in dir selbst nichts alsElend zu finden sey, damit du dich rechthassen und verlaßen, und in ihn allein einkeh-ren, und in ihm bleiben mögest.

GOrt lieber und vereiniget sich mit kei-nen Seelen lieber, als mit recht demükhigen,ja mit solchen allein. Ach so lobe ihn ja,daß er dich auch durch die Erkänntniß deinerselbst ein wenig demüthig machen will, da-mit er sich dir so viel inniger nnrtheilenmöge! Er weiß ohnedem wohl, daß du einzartes Kind bist. (, B.Mos. zz,iz.) Darumwird er allmählig mit dir gehen, und dichnicht übertreiben. Ließ seine göttliche Maje-stät dir, und uns, unser ganzes Verderbenauf einmal fühlen, so würden wir gar ver-zagen; deßwegen thut ers mit Maßen undmit Abwechslungen, und wird es dir auchnie an verborgenen Stärkungen ermangelnlaßen.

Trachte derhalben einzugehen in eine fried-same Demuch. Unruh, Angst und Furchtwerden dir beim Gefühl deiner Elenden we-nig nüsen; bei dir kommt solches mit heraus einer natürlichen Schwachheit, und dannaus Mangel der Uebergabe an GOtt. Diewahre Demükhigen sind nicht unruhig nochängstlich; sie wollen sich wohl sehen, so, wiesie sind; ja sie erfreuen sich wohl gar in