Druckschrift 
1 (1815)
Entstehung
Seite
204
Einzelbild herunterladen
 

224

Traulich stehen sie nun, die holden Paare, bepsammen,Zahlreich ordnen sie sich um den geweihten Altar.

Hymen schwebet herbe» und herrliche Düfte, gewaltig,Strömen süßen Geruch, Alles belebend, umher.

Nun verein-elt schwellen sogleich unzählige Keime,

Hold in den Mutterscboß schwellender Früchte gehüllt.

Und hier schließt die Natur den Ring der ewigen Kräfte;Doch ein neuer sogleich fasset de» vorigen an.

Daß die Kette sich fort durch alle Zeiten verlange,

Und daö Ganze belebt, so wie das Einzelne, sey.

Wende nun, o Geliebte, de» Blick zum bunten Gewimmel,Das verwirrend nicht mehr sich vor dem Geiste bewegt.

Jede Pflanze verkündet dir nun die ew'gen Gesetze,

Jede Blume, sie spricht lauter und lauter mit dir.

Aber entzifferst du hier der Göttiun heilige Lettern,

Ueberall siehst du sie dann, auch in verändertem Zug.

Kriechend zaudre die Raupe, der Schmetterling eile geschäftig,Bildsam ändre der Mens» selbst die bestimmte Gestalt.

O. gedenke denn auch, wie aus dem Keim der BekanntschaftNach und nach in uns holde Gewohnheit entsproß,

Freundschaft sich mir Macht in unserm Innern enthüllte.

Und wie Amor zuletzt Vlüihcu und Früchte gezeugt.

Denke, wie mannigfach bald die, bald jene Gestalten,

Still entfaltend, Natur unfern Gefühlen gestehn!

Freue dich auch des heutigen Tags! Die heilige LiebeStrebt zu der höchste» Frucht gleicher Gesinnungen auf,

Gleicher Ansicht der Dinge damit in harmonischem AuschaunSich verbinde das Paar, finde die höhere Welt.