Druckschrift 
1 (1815)
Entstehung
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201
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LQt

A m y n t a s.

Nikias, trefflicher Mann, du Arzt des Leibs und der Seele!

Krank! ich bin es fürwahr; aber dein Mittel ist hartAch! mir schwanden die Kräfte dahin, dem Rache zu folgen;

Ja, und es scheinet der Freund schon mir ein Gegner zu sepn-Widerlcgen kann ich dich nicht; ich sage mir Alles,

Sage das härtere Wort, das du verschweigest, mir auch.Aber, ach! das Wasser entstürzt der Steile des FelsensRasch, und die Melle des Bachs halten Gesänge nicht auf.Nas't nicht unaufhaltsam der Sturm s und wälzet die SonneSich, von dem Gipfel des TagS, nicht in die Wellen hinab?Und so spricht mir rings die Natur: auch du bist, AmpntaS,Unter das strenge Gesetz ehrner Gewalten gebeugt.

^ Runzle die Stirne nicht tiefer, mein Freund, und höre gefällig,Was mich gestern ein Baum, dort an dem Bache, gelehrt.^ Wenig Aepfel trägt er mir nur, der sonst so beladne;

Sieh, der Epheu ist Schuld, der il»> gewaltig umgibt.

>§ Und ich fasste das Messer, das krummgebogene, scharfe.Trennte schneidend, und riß Ranke nach Ranken herab;Aber ich schauderte gleich, als, tief erseuszend und kläglich,tt! Aus den Wipfeln zu mir lispelnde Klage sich goß:

O, verletze mich nickt! den treuen Gartengenosien,m; Dem du, als Knabe, so früh, manche Genüsse verdankt.

O, verletze mich nicht! du reißest mit diesem Gesiechte,

-e Das du gewaltig zerstörst, grausam das Leben mir aus.

Hab'ich nicht selbst sie genährt, und sanft sie herauf mir er-zogen?

H! Ist, wie mein eigenes Laub, nicht mir das ihre verwandt?Soll ich nicht lieben die Pflanze, die, meiner einzig bedürftig.Still, mit begieriger Kraft, mir um die Seite sich schlingt?Tausend Ranken wurzelten an, mit tausend und tausendFasern senket sie fest mir in das Leben sich ein.

Nahrung nimmt sie von mir; was ich bedürfte, genießt sie.Und so saugt sie das Mark, sauget die Seele mir aus.