200
Unbezwinglicke Trauer befällt mich, entkräftender Jammer,Und ein moosiger Fels stützet den Sinkenden nur.Wchmuth reißt durch die Saiten der Brust; die nächtlichenThränen
Fließen, und über dem Wald kündet der Morgen sich an.
Das Wiedersehn.
Er.
Süße Freunbinn, noch Einen, nur Einen Kuß noch gewähreDiesen Lippen! Warum bist du mir heute so karg?
Gestern blühte wie heute der Baum; wir wechselten KüsseTausendfältig; dem Schwarm Bienen verglichst du sie ja.Wie sie den Blütben sich nahn und saugen, schweben und wiederSaugen, und lieblicher Ton süßen Genusses erschallt.
Alle noch üben das holde Geschäft. Und wäre der FrühlingUns vorübergestohn, eh' sich die Blüihe zerstreut?
Sie.
Träume, lieblicher Freund, nur immer! rede von gestern!
Gerne hör' ich dich an, drücke dich redlich ans Herz.Gestern, sagst du? — Cs war, ich weiß, ein köstliches Gestern;
Worte verklangen im Wvrr, Küsse verdrängten den Kuß.-Schmerzlich war's zu scheiden am Abende, traurig die langeNacht von gestern auf heut, die den getrennten gebot.
Doch der Morgen kehret zurück. Ach! daß mir indessenZehnmal, leider! der Baum Blüthe» und Früchte gebracht!