Druckschrift 
1 (1815)
Entstehung
Seite
164
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Tochter des Proteus möchte sie seyn, mit Thetis gezeuget,Deren verwandelte List manchen Heroen betrog.

So betriegt nun die Tochter den Unerfahrnen, den Blöden;

Schlummernde necket sie stets, Wachende fliegt sie vvrbey;Gern ergibt sie sich nur dem raschen ihätigen Manne;

Dieser findet sie zahm, spielend und zärtlich und hold.Einst erschien sie auch mir, ein bräunliches Mädchen, dirHaare

Fielen ihr dunkel und reich über die Stirne herab.Kurze Locken ringelten sich um's zierliche Hälschen,Ungeflvcbtcnes Haar krauste vom Scheitel sich auf.

Und ich verkannte sie nicht, ergriff die Eilende lieblichGab sie Umarmung und Kuß bald mir gelehrig zurück.O, wie war ich beglückt! Doch stille, die Zeit ist vorüber,Und umwunden bin ich, römische Flechten, von euch.

V.

Froh empfind' ich mich nun auf klassischem Boden begeistert;

Vor-und Mitwelt spricht lauter und reizender mir.

Hier befolg' ich den Nach, durchblättre die Werke der 'AltenMir geschäftiger Hand, täglich mir neuem Genuß.

Aber die Nächte hindurch hält Amor mich anders beschäftigt;WerL' ich auch halb nur gelehrt, bin ich doch doppeltbeglückt.

Und belehr' ich mich nicht, indem ich des lieblichen BusensFormen späbe, die Fand leite die ftüften hinab'sDann versteh' ich den Marmor erst recht; ich denk' und ver-gleiche.

Sehe mit fühlendem Aug', fühle mit sehender Hand.Raubt die Liebste denn gleich mir einige Stunden des Tages,Gibt sie Stunden der Nacht mir zur Entschädigung bin.Wird doch nicht immer geküßt, es wird vernünftig gesprochen;Uederfältt sie der Schlaf, lieg' ich und denke mir viel.